Zeitungsberichte - Hundeschule dogZohn

Pforzheimer Zeitung - Dienstag 19.08.2014

PZ-Interview mit Hundetrainerin Daniela Lück

Seit das Training mit Hunden quotenträchtig in verschiedenen Fernsehsendern zu bewundern ist, wächst die Zahl der Hundeschulen stetig. Der Anteil der gut erzogenen Hunde steigt zumindest gefühlt nicht im gleichen Maße. Hundetrainerin Daniela Lück (39) aus Straubenhardt sagt im PZ-Interview, woran das liegt, warum nicht jeder Hund therapierbar ist und weshalb Angst ein schlechter Trainingspartner ist.

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PZ: Frau Lück, in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Hundeschulen rasant gestiegen. Woran liegt das?

Daniela Lück: Unter anderem daran, dass der Begriff Hundetrainer bislang nicht gesichert war. Jeder konnte ein Buch lesen oder eine Fernsehsendung anschauen und am nächsten Tag sagen: So, ich mache mich jetzt als Hundetrainer selbstständig. Mittlerweile müssen sich Züchter und Hundetrainer vom Veterinäramt prüfen lassen, das finde ich sehr gut.

PZ: Kann unter solchen Umständen die Qualität der Trainer überhaupt stimmen?

Wenn man den Trainer kritisch auswählt, dann ja. Hilfreich kann sein, auf die Ausbildung zu achten, aber auch auf Weiterbildungen. Ich sage immer, es ist wichtig, auf das Bauchgefühl zu achten. Wenn der Hund und die Menschen mit Freude zum Training gehen, dann ist es dort meistens in Ordnung.

PZ: Trotz der Vielzahl an Hundeschulen bleibt der Eindruck, dass viele Halter ihre Hunde nicht im Griff haben.

Daniela Lück: Das ist tatsächlich so. Das liegt aber nicht nur an der Erziehung, sondern oft an der Rücksichtslosigkeit der Hundehalter. Ich muss schließlich respektvoll mit meinen Mitmenschen und anderen Hunden umgehen. Es ist zum Beispiel völlig rücksichtslos, seinen Hund einfach so zu anderen, fremden Hunden laufen zu lassen. Die Leute sagen dann immer: „Der macht nix.“ Aber woher wissen die, dass meiner auch nichts tut? Was auch auffällt: Viele Hunde absolvieren ihre Übungen auf dem Trainingsplatz ganz toll, aber im wahren Leben wird das Training vernachlässigt. Im Alltag klappt es dann nicht mit dem, was geübt wurde.

PZ: Wenn mit Hunden was schiefläuft: Liegt’s dann eher am Hund oder am Menschen?

Daniela Lück: Es gibt einen Spruch: Der Fehler liegt am anderen Ende der Leine. Oftmals macht der Mensch die Fehler, sicherlich oft unbewusst. Es gibt aber auch Hunde, die es den Menschen wirklich schwermachen. Den größten Teil macht jedoch sicherlich die Inkonsequenz aus, die wir an den Tag legen.

Es gibt unzählige Erziehungsansätze. Die einen setzen auf Leckerli oder Clicker, also typische Belohnungsstrategien, andere auf Vermeidung oder Strafe, sei es durch Zischlaute, Leinenruck oder Stachelhalsbänder. Wie soll da der normale Hundehalter durchblicken?

Daniela Lück: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder ich belohne ein Verhalten, das mir gefällt. Dann zeigt der Hund dieses Verhalten häufiger, weil er an seine Belohnung gelangen will. Oder er stellt ein Verhalten ein, weil er weiß, das könnte wehtun. Stellen Sie sich vor: Sie kommen abends heim und ohne dass Sie wissen warum, holt Ihre Partnerin aus und knallt Ihnen eine. Gehen Sie da gern nach Hause? Haben Sie Vertrauen zu ihr? Wie soll so eine Beziehung entstehen? Wenn Sie aber wissen, da ist jemand, auf den kann ich mich verlassen, der Ihnen beisteht, auch in kritischen Situationen, dann kommen Sie gerne heim. Genauso ist es bei Hunden. Sie benötigen Vertrauen. In meinen Augen ist es inakzeptabel, über Angst oder Schmerz zu arbeiten. Ein Hund, der lernt, über Strafe ein Verhalten nicht mehr zu zeigen, weiß noch lange nicht, welches Verhalten ich mir von ihm wünsche.

PZ: Kann man wirklich jeden Hund erziehen?

Daniela Lück: Ich würde die Frage gerne mit Ja beantworten, aber ichkenne ein Beispiel, wo es trotz aller Bemühungen nicht geklappt hat. Mit Training und Geduld kann man auf jeden Fall Verbesserungen erreichen, aber vollständig therapieren ist in manchen Fällen nicht möglich.

PZ: Oft wünschen sich Kinder einen Hund. Ab welchem Alter sind Kinder in der Lage, sich um Hunde zu kümmern?

Daniela Lück: Das hängt von der Reife des Kindes ab. Generell aber würde ich ein Kind nicht alleine mit einem Hund spazieren gehen lassen. Selbst wenn ich weiß, dass mein Hund gut erzogen ist, muss ich immer damit rechnen, dass plötzlich ein anderer Hund hergerannt kommt. Mein Sohn ist jetzt zwölf, dem traue ich zu, mal eine Viertelstunde mit dem Hund zu laufen. Ich habe auch neunjährige Kinder in Kursen, die ihre Sache ganz toll machen. Aber draußen bleibt eben die Unwägbarkeit mit fremden Tieren.

PZ: Gibt es so etwas wie die drei wichtigsten Befehle?

Daniela Lück: Der sichere Rückruf. Ein Abbruchsignal. Das Herausgeben von Gegenständen. Und als Übung noch die Leinenführigkeit, die ist ganz wichtig. Aber vier darf ich ja nicht nennen (lacht).

Autor: Das Gespräch führte Alexander Huberth

 

 Pforzheimer Kurier - Samstag 5.10.2013